"""Jürgen Klopp ist für uns ein Glücksgriff"""

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Die Personalplanung bei Borussia Dortmund steht zu weiten Teilen. Damit ist der Klub einigen Konkurrenten weit voraus - wie dem Hamburger SV, der bislang noch gar keinen Neuzugang vermelden konnte. Und jetzt hat es der BVB noch geschafft, den Rohdiamanten Sven Bender vom TSV 1860 München loszueisen. Die Stimmung bei den Schwarzgelben ist entsprechend gut, auch wenn im Bundesliga-Finale die Qualifikation zum internationalen Geschäft um Haaresbreite verpasst wurde.

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Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc schildert im Sport1.de-Interview die Kaderplanung für die neue Saison und spricht ein Machtwort in Sachen Stürmer Alexander Frei. Zudem geht er vorm BVB-Trainingsstart am Sonntag auf die Transferstrategie ein und verrät, warum man Trainer Jürgen Klopp beinahe für einen waschechten Kumpel aus dem Ruhrpott halten könnte.

Sport1.de: Herr Zorc, die Borussia hat mit Sven Bender eines der begehrtesten Talente des deutschen Fußballs von 1860 München geholt. Die ""Löwen"" bekommen im Tausch Antonio Rukavina. Sind Sie ein wenig stolz auf den Deal?

Michael Zorc: Stolz ist nicht das richtige Wort, aber es ist ein Doppeltransfer, der Sinn macht. Sven passt sehr gut in unser Konzept, ich kenne ihn noch aus der Zeit, als er gegen unsere B-Jugend Deutscher Meister geworden ist. Wir glauben, dass er riesiges Potenzial hat.

Sport1.de: Es heißt, die Borussia hat auch noch Geld verdient.

Zorc: Es gibt kein Geld, es ist ein richtiger Tausch. Die Spieler wurden mit dem gleichen Wert angesetzt. Es ist so, dass sich bei uns einiges auf der rechten Seite getan hat, Patrick Owomoyela hat zu alter Stärke zurückgefunden und er ist daher natürlich gesetzt. Wir haben außerdem junge Spieler aus der eigenen Reihe dahinter, so dass das für uns Sinn gemacht hat.

Sport1.de: Den Abschluss mit dem Mainzer Markus Feulner haben Sie gleichfalls relativ früh sicher gemacht. Gehörte das zur Strategie, denn aktuell explodieren ja die Preise?

Zorc: Markus Feulner hat über einen langen Zeitraum der Zweiten Liga seinen Stempel aufgedrückt. Er war aus meiner Sicht der beste Zweitligaspieler der abgelaufenen Saison und da er frei war, durfte man nicht zu lange warten. Und der Trainer kennt ihn ja auch sehr, sehr gut, deshalb haben wir relativ schnell zugeschlagen.

Sport1.de: Sie haben von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ein Kompliment für Ihre Arbeit bekommen. Das tut wahrscheinlich gut, nachdem es ja nach dem Ende der Vorsaison 2007/2008 auch andere Stimmen gab.

Zorc: Wenn die Ergebnisse nicht so sind, muss man sich in meiner Position der Kritik stellen und damit auseinandersetzen. Das gehört zum Job dazu. Das Positive jetzt nimmt man dann auch gerne mit.

Sport1.de: Wie wichtig ist es für den BVB, diesen Mittelweg zu gehen, einerseits junge Talente einzubauen und andererseits zu versuchen, das internationale Geschäft zu erreichen?

Zorc: Wir sind gut aufgestellt, mit Hans-Joachim Watzke als Geschäftsführer und Trainer Jürgen Klopp. Jürgen Klopp steht dafür, dass er Spieler weiterentwickelt. Wir sehen uns noch lange nicht am Ende unserer Entwicklung. Wir sind kein Klub, der auf dem Transfermarkt großartig mit Summen zuschlagen kann. Deshalb ist diese Strategie, selbst Spieler zu entwickeln und auszubilden, die einzig richtige für uns.

Sport1.de: Nach einem Jahr gemeinsamer Arbeit: Ist das Duo Sportdirektor Zorc/Trainer Klopp nun immer besser aufeinander eingestellt?

Zorc: Wir haben vom ersten Tag sehr gut harmoniert und gut miteinander gearbeitet. Mit der Zeit wächst das Vertrauen immer weiter.

Sport1.de: Hat die Vertragsverlängerung mit Jürgen Klopp aus dem Frühjahr einen zusätzlichen Schub gegeben?

Zorc: Wir haben die Vertragsverlängerung des Trainers ganz bewusst gemacht, nachdem wir sieben Spiele nicht gewonnen hatten. Zwei Tage danach kam der erste Sieg. Der Zeitpunkt wurde damals ja hinterfragt, für uns war das nie eine Frage. Weil Hans-Joachim Watzke und ich sehr schnell gemerkt haben, dass Jürgen Klopp für uns ein Glücksgriff ist und wir uns vorstellen können, sehr langfristig mit ihm zusammenzuarbeiten.

Sport1.de: Die Fans scheinen zu schätzen, wie sich der Trainer mit dem Verein identifiziert.

Zorc: Er ist da sehr authentisch. Er spielt den Leuten nichts vor und passt deshalb sehr gut in unsere Region. Wenn man nicht wüsste, dass er aus dem Schwarzwald kommt, dann könnte man glauben, er wäre aus dem Ruhrgebiet. Diese Glaubwürdigkeit kommt hier sehr gut an.

Dortmunds Stürmer Alexander Frei ist weiterhin ein gefragter Mann auf dem Transferkarussell.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc spricht im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews über diese Personalie und spornt zugleich Florian Kringe im Kampf um die Plätze im Mittelfeld an.

Sport1.de: Herr Zorc, sind noch weitere Verstärkungen für die neue Saison zu erwarten?

Michael Zorc: Wir sind soweit mit der Kaderplanung auf Stand. Es ist gut denkbar, dass wir so in die Saison gehen. Aber Sie sehen ja, was überall los ist, die Transferperiode geht bis zum 31. August, deshalb habe ich mir abgewöhnt zu sagen: Das ist es jetzt.

Sport1.de: Stürmer Alex Frei ist begehrt, wird auch bei Galatasaray Istanbul gehandelt. Wird er beim BVB bleiben?

geführt, um das mal sehr deutlich zu sagen. Alex hat wie die anderen auch Vertrag bei Borussia Dortmund. Wir haben da die Hoheit.

Sport1.de: Steht die Verpflichtung des Cottbusers Dimitar Rangelov in Verbindung mit Alex Frei, falls er doch noch Dortmund verlassen sollte?

Zorc: Nein, das ist eine weitere Komplettierung unseres Angriffsbereichs. Rangelov hat bei Cottbus gezeigt, dass er in der Ersten Liga Tore schießen kann, deshalb haben wir ihn verpflichtet. Er hatte eine Ausstiegsklausel für eine Million. Deshalb haben wir da einen guten Fang gemacht.

Sport1.de: Im Mittelfeld wird der Konkurrenzkampf künftig heftig werden.

Zorc: In der Tat sind wir im Mittelfeld sehr gut aufgestellt, aber das hat uns schon im letzten Jahr sehr gut getan, dass der Trainer verschiedene Möglichkeiten hatte und kein Spieler hundert Prozent sicher sein kann, immer zu spielen. Jeder muss das durch seine Leistung unterlegen.

Sport1.de: Florian Kringe hat in der Rückrunde nur elf Partien gemacht, wurde siebenmal eingewechselt. Wie soll es mit ihm weitergehen?

Zorc: Wir fühlen uns mit dem Kader sehr gut aufgestellt, haben eine Doppelbesetzung in fast allen Bereichen. Florian ist ein Eigengewächs, er hatte sicher keine ganz gute Saison, aber er hat ein riesiges Potenzial. Er muss versuchen, sich wieder ranzukämpfen.

Sport1.de: Mit einigen Wochen Abstand: Wie groß war die Enttäuschung nach dem verpassten UEFA-Cup-Platz?

Zorc: Die Enttäuschung war schon sehr groß, wenn man in der 91. Minute durch ein irreguläres Tor aus den internationalen Plätzen herausfliegt. Aber man kann die Gesamtbetrachtung der Saison nicht nur daran festmachen. Man muss sehen, dass wir uns in fast allen Bereichen deutlich verbessert haben. Wir haben 59 Punkten geholt, das hat seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung bisher immer für die internationalen Plätze gereicht. Wir haben auch richtig guten Fußball gezeigt.

Sport1.de: Was sind die Ziele für die neue Saison?

Zorc: Wir sind gut damit gefahren, die Zielsetzung nicht an einem Tabellenplatz festzumachen. Wir haben uns damit ganz wohl gefühlt und werden da auch in diesem Jahr nichts daran ändern.

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